Der heruntergekommene Gott

Veröffentlicht: 23. Dezember 2014 in Kirchenjahr
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Kurz nach Weihnachten:
Drei politische Flüchtlinge am Mittelmeer,
fern von Bethlehem.
Ein Mensch ist illegal,
vom nahöstlichen Despoten zum Asylsuchenden gemacht.
Ziel: klamm heimliche Einwanderung.
Stille Nacht, eilige Nacht.

Die Mutter: sehr jung, kürzer verheiratet als schwanger gewesen.
Der Vater: erklärt den Skandal mit Engeln…
Jeder denkt, sie brennen durch:
Das sittenwidrige Paar Provinzler,
dass das verbotene Kind bei den Tieren gebar,
erfahren im Umgang mit zwielichtigen Gestalten wie Schäfern und ausländischen Magiern.
Brave Maria.
Im Arm: illegal, allen egal
– der heruntergekommene Gott.

Später wird er ‚von Nazareth‘ genannt werden.
Er kommt von dort, ohne bisher dort gewesen zu sein.
Das Schicksal jeder zweiten Flüchtlings-Generation.
Geburtsort: Bethlehem
Wohnort: noch ungewiss.
Flucht ums Mittelmeer herum-
Muttersprachlich fremd aufwachsen im fremden Land.
Gastarbeiterkind, Migrationshintergrund
– der herum gekommene Gott

Ecce homo.
Es kontingiert noch keine sogenannte christliche Partei damals ihm, Christus, und seinesgleichen die Hilfe mit spitzem Bleistift.
Niemand protestiert Weihnachtslieder singend gegen Flüchtlinge wie ihn.
Auch Frontex jagt nicht zum Schutz des christlichen Abendlandes Migranten wie Paulus.
Noch macht man die Türen hoch, die Tore weit.
Gott sei Dank,
Gott dankt.

Es ist Verdruss entsprungen,
aus dem Asylanten und seiner Schicksal Art.
Flüchtig kennt ihn kaum noch jemand.
Niemand erzählt die Geschichte seiner Flucht an den ihm gewidmeten Tagen.
Seine Geschichte ist zu einer Art Folklore geworden,
ganz ohne unbequeme Fragen.
Flüchtlinge mag man nicht im christlichen Abendland,
Für den Schlaf in seliger Ruh,
bleibt er holder Knabe mit lockigem Haar.
Trotz Bekenntnis zu ihm,
dem in Not untergekommenen Gott.

Die Nacht ist vorgedrungen,
Asylanten hält man fern.
Es sei die Klag gesungen,
dem angeschwärzten Morgenstern.
Kein Migrant wird gefeiert, wenn er nicht singt oder Fussball spielt.
Damals schon ohne Glanz und
Gloria, in terra: Deo.

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Kommentare
  1. […] stattdessen die ersten drei Strophen eines Weihnachtsgedichts (oder Lied, wer vertont es?) von Tim Allgaier zitieren und euch frohe Weihnachten […]

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